10 Jahre Naturfreunde Kettig

2001292
Alte Sorten gedeihen auf Streuobstwiese

Auf dem Gertrudenhof in Weißenthurm wird Bio-Apfelsaft ausgeschenkt.

"Wir müssen mit der Natur umgehen wie ein Forstmann, der heute ein Bäumchen pflanzt und die Ernte des Baumes in seinem Leben nicht mehr miterlebt", erklärte der Vorsitzende der Naturfreunde des Amtes Bergpflege, Elmar Hillesheim. Mit diesem Anspruch traten die heimischen Naturfreunde 1991 an die Öffentlichkeit.

Im Verlauf der vielen aktiven Jahre setzten sich die Freunde aus dem "Amt Bergpflege" besonders intensiv mit dem Naturschutz auseinander.

So stellten die Naturfreunde den Antrag, das Landschaftsschutzgebiet Kettiger Bachtal unter Einbeziehung von Niederwald auf dem Bims sowie einer Bimsinsel in das Vulkanparkprojekt mit einzubeziehen. Ab 1993 erfolgte die Anpachtung und Pflege einer 1.200 Quadratmeter großen Obstwiese mit Hecken am Kettiger Bach. Dort waren in den Folgejahren intensive Pflegearbeiten notwendig, um die Wiese in einen guten Zustand zu versetzen.

Die Naturfreunde-Mitglieder waren mit der Sammlung von Fallobst zur Saftherstellung und der Anpflanzung von alten Obstsorten, zum Beispiel des bisher nicht bestimmten "Götsches-Apfels" beschäftigt. "Wir haben uns von Beginn an für die Vermarktung von Obst der Streuobstwiesen und für die Gründung der Streuobstinitiative MYK eingesetzt und die Arbeitsgemeinschaft "Heimat schmeckt" unterstützt, erläuterte Elmar Hillesheim. Inzwischen werden die Äpfel von der Kettiger Streuobstwiese zum größten Teil von der Hunsrücker Bitz-Streuobstgesellschaft abgenommen, die dann die Produkte, vor allem den Apfelsaft, vermarktet. Der Grundgedanke der Streuobstwiesen-Initiativen ist, überregional Streuobstprodukte unter dem Markenzeichen einer definierten ökologischen Produktion nach den Vorgaben der EU-Verordnung und den hieraus resultierenden Anbaurichtlinien eines anerkannten Ökoanbau-Verbandes zu vermarkten, wobei in Rheinland-Pfalz sich in besonderem Maße "Bioland" als Vermarktungspartner anbietet. "Die Bitz" ist nach Hunsrücker Mundart, wo die Initiative zuhause ist, eine Wiese am Ortsrand mit vorwiegend hochstämmigen Obstbäumen und unter diesem Namen wird eine breite Streuobstpalette aufgebaut. Besonders der Apfelsaft ist beliebt und erfreut sich steigender Nachfrage. Weiterhin gibt es neuerdings auch Apfelwein und Obstbrände von Äpfeln und Zwetschgen.

Auch in der Kinder- und Jugendarbeit haben sich die Naturfreunde betätigt. Sie vermitteln den Heranwachsenden Naturerlebnisse und animieren sie dazu, als Umweltdetektive tätig zu sein. Kinderfeste, Freizeiten und die Teilnahme an der Aktion "10.000 Sonnenblumen für die Tschernobyl-Kinder" gehörten ebenso zu den Naturfreunde-Aktivitäten.

Gerne gestalten sie auch ihre Freizeit in einer gesunden Umwelt. Themenwanderungen, zum Beispiel literarische Wanderungen, Vogelstimmen-, Pilz- und Radwanderungen wurden verwirklicht; ebenso Wanderungen für junge Familien. Sonnwendfeiern mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm finden regelmäßig in den Vereinshütten im Steinbruch von Alken statt.

Letztlich lassen die Naturfreunde keine Gelegenheit aus, sich durch umweltpolitische Diskussionen und Stellungnahmen auch in der Öffentlichkeit darzustellen.

"Die Naturfreunde haben vielfältige Aufgabenstellungen, sind Naturschützer und Naturnützer, sie kommen aus der Arbeiterbewegung und wurden 1895 in Wien gegründet. Heute gibt es weltweit rund 600.000 Mitglieder und in Europa können 1000 Naturfreundehäuser für einen Aufenthalt genutzt werden", erklärte Elmar Hillesheim. "Um unserem Grundsatz `Nachhaltigkeit sichert die Zukunft` treu bleiben zu können, benötigen wir die Mitarbeit aller interessierten Umweltschützer", betonte Hillesheim, der in Kettig, Schnürstraße 12, Tel. und Fax (0 26 37) 56 16 wohnt und gerne weitere Auskünfte gibt.