Kettiger Ortschef kritisiert Ansiedelungspolitik von Discountern

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Symbolfoto: birgitH / pixelio.de


Jetzt kommt Netto

Es was die schwerste Aufgabe in seiner bisherigen Amtszeit: Seit Jahren kämpft Ortsbürgermeister Peter Moskopp dafür, dass in der 3400-Seelen-Gemeinde Kettig endlich wieder die Nahversorgung sichergestellt ist. Gleich mehrfach, so berichtet der Ortschef im Gespräch mit unserer Zeitung, ist dabei ein falsches Spiel gespielt worden.
Bis auf Kettig sind mittlerweile alle Gemeinden in der Verbandsgemeinde Weißenthurm mit (mindestens) einem Lebensmittelmarkt ausgestattet. Das letzte Lebensmittelgeschäft hat vor gut 15 Jahren im Kettiger Ortskern dicht gemacht. Im Juli 2012 dann die erlösende Nachricht für die Bürger: Ein Investor ist gefunden, am Mittelweg soll ein Discounter angesiedelt werden. Doch dann platzt die Blase. „Es war für die Ortspolitik und den Bürger in 2015 schon befremdlich zu erfahren, dass ein für Kettig geplanter Norma-Discounter plötzlich in den Nachbarort abgefischt wurde“, sagt Peter Moskopp. Der Discounter wandert nach Weißenthurm, und mit ihm ist auch der Investor weg.
Ab 2014 arbeitet der Ortschef dann der Öffentlichkeit gegenüber stillschweigend mit der Deutschen Immobilien (DI) Gruppe mit Sitz in Düren an Plänen für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes am Mittelweg. Die Investorengruppe sichert sich die Grundstücke und sucht nach einem Mieter. Mit Erfolg. Die Rewe-Gruppe will ihre Tochter Penny in den geplanten Räumlichkeiten unterbringen. Doch wiederum kommt es anders als gedacht. Und so war die Enttäuschung beim Ortschef groß, als sich die Penny-Gruppe, nach fast abgeschlossen Planungen und Gesprächen mit Grundstückseigentümern, einer Bäckerei sowie den Investoren, plötzlich im Frühsommer dieses Jahres gegen Kettig ausgesprochen hat und stattdessen, so Moskopp, anscheinend in Weißenthurm expandieren will. „Für Kettig ist das unverständlich, da Weißenthurm ausreichend mit Lebensmitteldiscountern versorgt ist“, sagt Peter Moskopp, für den die ganze Angelegenheit ein gewisses Geschmäckle hat.
Der Gemeindebürgermeister suchte in der Sache mehrfach das Gespräch mit Weißenthurms Stadtchef Gerd Heim und VG-Bürgermeister Georg Hollmann, der laut Moskopp auch Penny zum Bleiben überreden wollte. Ohne Erfolg. „Bürgermeister Hollmann gilt dennoch ein großes Dankeschön. Er hat die Notwendigkeit eines Lebensmittelmarktes in vielen gemeinsamen Gesprächen heraushoben und sich für den Standort Kettig stark gemacht hat“, sagt der Kettiger Ortschef, der ebenso froh ist, dass er mit der DI-Gruppe einen Investor hat, der nach dem Rückschlag mit Penny am Standort in der Ortsgemeinde festgehalten hat.
„Wir sind froh, dass der Investor unmittelbar nach dem Aus für Penny die Edeka-Gruppe mit dem Netto-Markt für den Standort Kettig gewinnen konnte“, betont Peter Moskopp. Nach Angaben der DI-Gruppe ist der Netto-Marken-Discount als größter Discounter Deutschlands mit rund 4000 Artikeln und einer riesigen Lebensmittelauswahl ein wahrer Gewinn für Kettig. „Damit schaffen wir ein umfangreiches Angebot, das dem eines klassischen Supermarkts sehr nahe kommt“, freut sich Armin Elsen, Projektleiter der DI-Gruppe. „Jetzt geht es noch darum, einen Betreiber für das geplante Café zu finden – am liebsten aus der Region“, sagt Elsen weiter. Der Bau des neuen Lebensmittelmarktes mit knapp 1100 Quadratmeter Mietfläche soll noch in diesem Herbst beginnen, teilt die DI-Gruppe mit. Wenn alles nach Plan verläuft, soll der Discounter dann Mitte nächsten Jahres eröffnen.
Hinzu kommt das von Elsen angesprochene, eigenständige Café, das auf 135 Quadratmetern Platz finden soll. Komplettiert wird das Angebot am Mittelweg durch 70 Kundenparkplätze. Das Einzugsgebiet für den neuen Markt schätzen die DI-Einzelhandelsexperten auf 10 000 Einwohner. Darüber hinaus geht man davon aus, dass durch die Neuansiedelung insgesamt 40 Arbeitsplätze am Standort geschaffen werden können.

Quelle: RZ Koblenz und Region vom Montag, 18. September 2017, Seite 29 

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